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Rekonstruktion eines Lederkollers (Buffcoat) aus dem 17. Jhd

Ende Oktober 2010 habe ich dieses verräterische Zucken in meiner Nähhand verspürt, ein untrügliches Indiz dafür, dass es an der Zeit für mich ist ein grösseres Projekt in Angriff zu nehmen. Schon seit Längerem spielte ich mit dem Gedanken mich an ein Lederkoller zu wagen und nun war die Zeit reif dafür.
 
 
Die Recherche
 
Bevor ich mir Leder, Stoff, Knöpfe oder sonstige benötigte Materialien besorgte war erst einmal Recherche angesagt. Die Recherche war für mich genauso wichtig und spannend wie die Umsetzung des Projektes selber. Ich hätte natürlich einfach einen der Lederkoller kopieren können die ich der 17. Jhd-Living-History-Szene schon gesehen habe, doch dann hätte die Gefahr bestanden, dass ich eine Kopie einer möglicherweisen schon falschen Kopie erstellt hätte. Mein Ziel war eine Reproduktion zu erstellen die möglichst nahe an ein Original gelangt. Als ersten Schritt habe ich Dr. Google konsultiert und als Suchbegriff "Buffcoat" eingegeben und mir die Bilder anzeigen lassen. Heraus kam eine Flut von Bildern: Originale, Reproduktionen und schlechte Produkte von Billiganbietern (ein Lederkoller für 130 Euro? Also bitte, allein die Materialkosten für mein Leder waren dreimal so hoch...).
 
Nach einiger Zeit stiess ich auf folgendes Bild:

 
Es stammt aus dem flickr-Album eines Besuchers des Royal Armouries Museums in Leeds und trägt den Titel: «Gell's Coat and Cromwells Sword». Es war Liebe auf den ersten Blick, und ich wusste: so sollte mein Lederkoller aussehen. Vertieftes Suchen im Internet förderte keine weiteren Details über dieses Exponat zu Tage. Es blieb bei diesem einen Bild. Und je länger ich das Foto betrachtete, desto mehr Fragen stellten sich dazu. Zum Beispiel die doppelten Ärmel, und der doppelte Kragen? Waren dies zwei Lederkoller die übereinander getragen wurden? Ein langärmliges mit hohem Kragen und ein weiteres mit dreiviertel langen Ärmeln und niederem Kragen? Wurde dieser Koller über dem Doublet getragen, oder war es ein Kleidungsstück das direkt über dem Hemd getragen wurde? War es gefüttert? wie funktionierte der Verschluss? Es waren zu viele Fragen um die Wissenslücken allein mit Vermutungen und Annahmen zu stopfen.
 
Der nächste Schritt bestand also darin, dem Royal Armouries Museum in Leeds eine Nachricht zukommen zu lassen, in der Hoffnung das einer der Kuratoren Zeit und Muse findet einem Living-History-Geek aus der Schweiz zu antworten. So habe ich über die Kontaktadresse des Museums eine Mail verfasst, mich freundlich vorgestellt, wer ich bin und was ich plane und das ich gerne eine Rekonstruktion des Buffcoats von Sir John Gell erstellen würde und ob sie dazu weitere Informationen, Fotos oder gar ein Schnittmuster hätten. Das war am 2. November 2010. Und schon am darauffolgenden Tag erhielt ich eine sehr nette und ausführliche Antwort von Thom Richardson, seines Zeichens "Keeper of Armour and Oriental Collections, Royal Armouries, Leeds".
 
Hier seine Antwort:
 
«Dear Mr Rauber, Unfortunately we don’t have any photos at all of the Gell buff coat (not even the nice one on the internet!), which is no. III.4593 in the museum. This is the description from our catalogue, which answers most of your questions; it is a single coat with double sleeves and collar:
 
‹Buff coat
English, about 1643
of Sir John Gell
 
Composed of a body, flared skirt and full-length double sleeves. The body is made of four pieces with an additional gusset under each arm. The front edges are pierced with nineteen eyelets at either side, with modern cord to close the front. The neck is composed of a low outer collar and a high inner collar, each of one piece. The main edge is bound, the top edge of which is worn and frayed revealing layers of leather and lining. Bordering the left main edge of the interior collar are five cord button loops, of which the top loop is broken. Bordering the right collar edge are remnants of the string buttons. There is a hole is in the rear dorsal section of the collar, allegedly made by a musket ball. The skirt is made up of four separate pieces, two at the front and two at the rear. The right rear piece overlaps the left and is overlapped by the right front. The left front piece overlaps both the right front and the left rear pieces.
Each inner sleeve is of two pieces and full length. The rear seam of the inner sleeve is open at the cuff for 13.5cm and fastened by five spherical buttons with button holes; the lowest button on the left sleeve is missing. The sleeves are covered to the elbows by outer sleeves, each of two pieces. The inner seams open for 10cm. The edges are bound.
All the lining and interlining, which is extended from the original arrangement to include the skirts, are modern. All seams are butt-sewn.
 
Marks:              None
Dimensions:    overall height 85.0 cm (33.5 in)
                        width 48.0 cm (18.9 in)
                        neck to waist 37.0 cm (14.6 in)
                        skirt length 38.0 cm (14.9 in)
Weights:           2.71 kg (6 lb 0 oz)
Provenance:  Purchased at auction from Christies, 21 June 1994, lot 383. From the collection of the late Lieutenant Colonel John Chandos-Pole of Newnham House, Daventry, Northampton, the descendent of John Gell
 
Worn by Sir John Gell (1593-1671), parliamentary Colonel, son of Thomas Gell of Hopton, Derbyshire and Millicent, daughter of Ralph Sacheverell. He matriculated at Magdalen College, Oxford on 16 June 1610 but left without a degree. In 1609 he married Elizabeth, daughter of Sir Percival Willoughby of Wollaton, Nottinghamshire. In 1635 he became Sheriff of Derbyshire. In October 1642, Gell raised a regiment of foot soldiers in the service of Parliament.›
 
The only buff coat in the collection we have ever taken a pattern from is one of the Littlecote group, which I published in my article on the buff coats in the Canadian Journal of Arms Collection back in the 80s. The Gell coat is very similar to the Popham coat, no. III.1952, but I didn’t take a pattern of this one either. Sorry.»
 
Mit dieser ersten Mail vom Dr. Richardson wurden schon viele meiner Fragen beantwortet:
 
1. Es handelt sich um ein Kleidungsstück und nicht zwei Koller die übereinander angezogen worden sind.
2. Unter beiden Armen waren zusätzliche Spickel eingesetzt (etwas was man auf dem Bild nicht sehen kann, also eine wichtige Information).
3. Der Nackenteil ist aus zwei Krägen zusammengesetzt, dem Kürzeren aussen und einem Höheren Innen. Beide sind aus einem Stück Leder gefertigt.
4. Es ist beschrieben das vier Schösse am Oberteil befestigt sind und wie sich diese überlappen.
5. Die Arme werden jeweils aus zwei Stücken in voller Länge gefertigt. Die Naht am langen, inneren Ärmel ist hinten für 13.5 cm geöffnet und konnte mit fünf Knöpfen geschlossen werden. Der Innere Saum des äusseren Ärmels ist bei der Armbeuge für 10 cm geöffnet.
6. Der Koller ist bis zur Hüfte mit einem Innenfutter und teilweise mit einem Zwischenfutter versehen welches bis zur Hüfte reicht. Die Schösse sind nicht gefüttert.
7. Interessant waren auch die Mass- und die Gewichtsangabe des Kollers.
 
Ebenfalls sehr spannend, wenn auch nicht wichtig für die Rekonstruktion, der Beschrieb eines Lochs am Rücken welches vermutlich von einem Musketenschuss stammt. Überhaupt wurde der Koller durch diese Beschreibung aus dem Museumskatalog und den Informationen über Sir John Gell und sein Leben für mich erst richtig zum Leben erweckt. Erste Fragen waren nun beantwortet, aber es taten sich weitere auf und es entstand ein reger Mailaustausch zwischen Dr. Richardson und mir. Dabei stellte es sich heraus das er sich sehr gut mit Lederkollern auskannte und 1988 einen Artikel über die Buffcoat-Sammlung in Littleton House in einem wissenschaftlichen Magazin veröffentlicht hatte. Die sogenannte "Popham Collection" ist die weltweit grösste Sammlung von Lederkollern weltweit und umfasst 38 verschiedene Exemplare und Dr. Richardson hat die komplette Sammlung studiert und vermessen. Was für ein Glücksfall! In diesem Artikel befindet sich auch ein von Dr. Richardson erstelltes Schnittmuster eines Buffcoats aus der Popham-Sammlung welches bis heute vermutlich von allen Reenactoren als Grundlage von Ledekoller-Rekonstruktionen verwendet wurde. Ich selber war im Internet auch schon darauf gestossen ohne zu wissen das Thom es erstell hatte.
 
Hier das oben erwähnte Schnittmuster:

 
Leider hat das Schnittmuster für mein Projekt nur bedingt getaugt, da Gell's Buffcoat mit den vier einzelnen Schössen und der nach vorne versetzten Seitennaht ein anderer Typus ist. Dennoch konnte ich darauf aufbauen.
 
Durch die Korrespondenz mit Thom Richardson und den Artikel konnte ich mein Wissen über Lederkoller massiv vertiefen und einiges an interessantem Wissen sammeln das auch für die Umsetzung meines Lederkollers von Bedeutung war. Zum Beispiel der Beschrieb des Buffcoats von Colonel Alecander Popham. Es wird ein Stoffband auf Hüfthöhe beschrieben welches ins Futter des Kollers eingearbeitet ist. In das Band waren Ösen eingearbeitet um darin die mit Haken besetzten Hosen des Trägers einzuhängen. Also zusammen mit dem Futter der Beweis, dass der Buffcoat direkt über dem Hemd des Trägers getragen wurde ohne die Jacke darunter.
 
Weitere wichtige Informationen:
• Das Innenfutter geht bei allen Kollern lediglich bis zur Hüfte. Meist befindet sich noch ein Zwischenfutter in den Kollern aus einem steifen Material wie z. B. Segeltuch oder Zelttuch. Das Zwischenfutter wird für den Rumpf aber nicht bei den Armen verwendet. Für das Innenfutter wurde feines Leinen verwendet.
• Das Leder der Vorderseiten wurde gelocht um eine Schnur durchziehen zu können. Die Anzahl variiert zwischen 14 bis 34 Löchern auf einer Seite, aber gewöhnlich handelt es sich um 16 oder 17 Löchern pro Seite. Der Gell-Buffcoat hat 19 Löcher pro Seite.
• Die Koller wurden nicht mit den Schnüren geschlossen wie das Foto des Museums fälschlicherweise vermittelt, sondern mit Haken und Ösen die auf der Innenseite versteckt befestigt waren. Im Original liefen die Schnüre im Zickzack auf jeder Seite von Oben nach unten und wurden unten verschnürt, was beim geschlossenen Buffcoat den Eindruck einer V-förmig nach oben verlaufenden Schnürung erweckt hat.
• Bei jedem erhaltenen Buffcoat ist das Leder von ocker-gelber Farbe was durch eine sämische Gerbung erreicht wurde.
 
Ich finde es auch spannend das in Deutschland schätzungsweise 95 % der Darsteller die einen Lederkoller ihr Eigen nennen ein ärmelloses ungefüttertes Modell besitzen. Und bevor ich mich enger mit der Materie auseinandersetzte dachte ich das müsse so sein. Aber wie mir Dr. Richardson dann erklärte gibt es wenige Belege für ärmellose Buffcoats. Es gibt einige Gemälde und einige wenige Stücke deren Echtheit aber nicht wirklich sicher ist. Und die Interpretation von Gemälden ist zudem ein zweischneidiges Schwert bei dem vieles schief gehen kann.
 
 
Das Schnittmuster
 
Dies sind lediglich einige Punkte die ich für die Rekonstruktion eines Kollers für wichtig empfinde, es gibt weit mehr interessante Informationen, aber das würde den Rahmen dieses Blogeintrags sprengen.
 
Durch Thom's Hilfe und die ganze Recherche hatte ich das Gefühl bereit für die Umsetzung zu sein. Mein Plan war, mich von innen nach aussen durchzuarbeiten. Als erstes das Innenfutter, danach das Zwischenfutter, dann die Lederarbeiten und am Ende die Detailarbeiten.
 
Aber als allererstes galt es ein perfektes Schnittmuster zu erstellen. Ich wollte nur die besten Materialien für das Projekt verwenden und da Leder keinerlei Fehler verzeiht und das Leinen auch kein billiges aus dem Stoffmarkt war, musste das Schnittmuster stimmen. Basierend auf Thom's Schnittmuster, dem meines Stoff-Doublets und dem Foto des Originalkollers zeichnete ich ein Schnittmuster auf Seidenpapier auf und habe es auf billigen IKEA-Bomull übertragen. Daran habe ich solange gebastelt bis es perfekt sass.
 
Hier ein Foto des «Ghosts» in einer Zwischenphase. Die Ärmel noch gerade geschnitten, was völlig falsch ist, denn ein typisches Merkmal von Lederkollern aus dem 17. Jhd sind die gekrümmten Ärmel. Zudem liegt die Seitennaht noch zu weit hinten:
 

 
Als der «Ghost» dann endlich zufriedenstellend sass, brauchte ich ihn lediglich aufzutrennen und hatte die fertigen Bomull-Teile als Schnittmustervorlage die ich dann erst auf das Leinen übertragen konnte.
 
Hier ein Foto von (beinahe) allen Teilen des Schnittmusters (der hohe Kragen fehlt):
 

 
Innefutter / Zwischenfutter
 
Leider merke ich gerade, dass ich die einzelnen Schritte des Projekts viel zu wenig mit Fotos dokumentiert habe. Item, nach dem Innenfutter das lediglich bis zur Hüfte reicht, habe ich aus Segeltuch das Zwischenfutter gefertigt. Da baute ich noch einen Zusatz ein, nämlich eine Schulterpolsterung aus zwei Lagen Wollfilz. Ich habe keinerlei Belege das diese Polsterung auch in Lederkollern verwendet wurde, jedoch ist sie in Doublets dieser Zeit nachgewiesen. Der Schnitt der Plsterung und die Stichart wie der Wollfilz auf dem Zwischenfutter abgesteppt wurde ist in einem Originaldoublet in Englang vorhanden. Dieses Padding gibt zum Einen Form, zum Anderen polstert es das Gewicht der Muskete auf längeren Märschen ab, weswegen ich mich entschieden hab hier zu improvisieren und das Padding auch im Koller aufzunehmen obwohl ich nicht weiss ob es im Original existiert.
 
Zwei Bilder vom Innenleben des Lederkollers (von vorne und Hinten). Man kann das leinene Innenfutter, das Zwischenfutter aus Segeltuch und die Schulterpolsterung gut erkennen:
 
 

 
Man sieht wie komplex das Innenleben dieses Lederkollers ist. Und da ich wollte das dieser Buffcoat mein bisheriges Meisterstück wird, habe ich jede Naht am Ende noch umgenäht obwohl es von aussen nur bei genauer Betrachtung sichtbar ist, zudem ist jeder Stich - sei es beim Leder oder am Stoff - an dieser Arbeit von Hand gemacht. Das allein schon im Innenfutter einige Stunden an Arbeit stecken verwundert also nicht, und es war schon Anfang 2011 als ich überhaupt erst zum Teil mit dem Leder kam.
 
 
Das Leder
 
Nach den Stunden Arbeit die ich in das Futter investiert hatte, war es meine grösste Sorge kein passendes Leder zu finden. Glücklicherweise gibt es in der Nähe meines Wohnortes einen Lederhändler mit beeindruckendem Sortiment. Es handelt sich um ein Familienunternehmen mit einer kleinen Gerberei bei dem ich seit Jahren Kunde bin (Leder Räber ). Bei meinem Besuch im Geschäft zeigte ich dem Inhaber einige Fotos von diversen Originallederkollern in der Hoffnung das er etwas passendes im Sortiment hatte. Herr Räber studierte die Bilder, nickte wissend, stieg eine Leiter hoch und holte aus dem obersten Brett dieses riesigen Regals, gefüllt mit Ledern in allen Formen und Farben, ein zusammengerolltes Bündel herunter. Die Farbe stimmte, die Konsistenz, alles. Es handelte sich um eine Hirschhaut (Der englische Terminus für ein Lederkoller mag zwar «Buffcoat» sein, was nun aber nicht zwingend voraussetzt das ein Koller aus Büffelleder gemacht wurde). Es war toll dieses Stück Leder mit all seinen natürlichen Unregelmässigkeiten zu betrachten und zu berühren. In der Mitte, dem Rückenteil, war das Leder satte 4.5 bis 7 mm dick, an den äussersten Rändern betrug die Stärke noch ca. 1 - 1.5 mm. Am Ende habe ich zwei (!) komplette Hirschhäute in meinem Buffcoat verarbeitet. Das war der teuerste Materialposten, satte 410 Euro haben beide Häute zusammen gekostet.
 
Die Kunst war es dann das Leder richtig zuzuschneiden. Bei dem Material und dem Preis erlaubt man sich keine Verschneider. Die Anordnung der Schnittmusterstücke musste wohl überlegt sein. Der Rumpf musste am Besten geschützt werden, weswegen ich dort die dicksten Teile der Hirschhaut wollte. Da die Arme doppelt waren benutzte ich dort etwas dünneres Leder, auch um die Beweglichkeit zu gewährleisten.
 
Am Anfang, beim Teil der Recherche habe ich mir den Kopf zermartert wie das Leder genäht wird. Man kann auf dem Foto des Original Buffcoats von Sir John Gell sehr schön diese Wulst erkennen die an den Nähten entlangläuft. Zwar wurde mehrmals erwähnt das die Lederkoller alle «Buttseam» genäht wurden, aber ich fand nicht heraus wie es auf Deutsch heisst (wohl kaum «Arschnaht» ^^). Ich denke inzwischen am Besten lässt es sich mit «auf Stoss genäht» übersetzen. Als ich dann nämlich das Leder in der Hand hatte wurde mir augenblicklich klar wie diese Naht funktioniert. Die Enden der bis zu 5 mm dicken Lederteile werden aneinander gehalten, danach fährt man mit den Ledernadeln von oben schräg durch die Mitte des einen Lederstücks und durch die Mitte des gegenüberliegenden schräg nach oben. Der Zwirn wird dann mit viel Kraft festgezogen und an der Nähkante entsteht dann dieser charakteristische Wulst.
 
Hier ein Foto von der Homepage des englischen Handwerkers Karl Robinson der Buffcoats auf höchster Vollendung produziert (Kostenpunkt bei ihm für ein Buffcoat wie ich ihn gemacht habe: 2100 Euro). Man kann darauf sehr schön das Prinzip der Stossnaht erkennen:
 

 
Zu dem Zeitpunkt war es definitiv das ich Ende April an einem 17.-Jhd-Event in Schottland teilnehmen würde zu dem ich eine Einladung erhalten hatte. Ich wollte den Buffcoat unbedingt bis zu dem Termin fertig bekommen und es war noch verdammt viel Arbeit. Die folgenden drei Monate waren hart. Sozusagen jede freie Minute arbeitete ich an dem Lederkoller und vernachlässigte dadurch zwangsläufig mein restliches Leben, sei es andere Hobbys oder Freunde. Es gab Momente da habe ich mich selbst verflucht, und wenn ich nicht schon so weit gewesen wäre hätte ich alles hingeworfen. Aber dieser Termindruck hatte auch etwas Gutes an sich: hätte ich keine Deadline für die Fertigstellung gesetzt wäre es vermutliche ein jahrelanges «work in progress geworden». Und als die Lederarbeit beendet war, kamen die Detailarbeiten am Ende: das Einnähen des Innenfutters, die Knopflöcher, die Knöpfe und die Haken und Ösen. Das hat mehr Zeit gebraucht als ich dachte.
 
Die letzte Arbeit war dann das Braiden der beiden Bändel der Ziernaht mit Wollgarn. Aber das war total entspannend, denn da war der Koller sozusagen fertig und Lea und ich haben die Bänder an einem warmen Frühlingstag auf dem Balkon gebraidet. Davon gibt es sogar eine Impression (und nein, das sind nicht meine Socken ^^):
 

 
 
Ich war dann am Ende sogar sechs Tage vor dem Event fertig. ^^ Ich weiss nicht wieviel Stunden ich in diesen Buffcoat investiert habe, ich schätze es dürften so um die 200 Arbeitsstunden gewesen sein. Aber ich bin absolut glücklich mit dem Endprodukt und ich bin mir sicher, ich werde das kein zweites Mal machen... emotion
 
Bevor es jetzt zu den Fotos geht möchte ich mich bei Dr. Thom Richardson für die Hilfe bei der Recherche bedanken und bei Lea für das Braiden, die Fotos und ihre Geduld mit mir in den Monaten während der Arbeit.
 
 
Endprodukt
 
1. Details:
 
Auf diesem Bild erkennt man einen Teil des eingenähten Innenfutters und den Verlauf der gebraideter Zierschnürung innen und aussen. Die Haken und Ösen mit denen der Koller effektiv geschlossen wird sind im Wechsel angenäht um ein ungewolltes Aufklaffen zu Vermeiden.
 
 
In geschlossenem Zustand scheint es als ob der Lederkoller durch die Schnürung zugehalten wird:
 

 
Ein Detailaufnahme eines Bereichs des Kragens. Man erkennt sehr schön wie dick das Leder teilweise ist. Im Falle des hohen Kragens hier sogar 7 mm stark!
 
 
Und hier der Kragen geschlossen:
 

Eine Aufnahme der Schulterpartie. Darauf sehr schön die Stossnaht zu erkennen:
 
 
Detailaufnahme des Ärmels mit Knöpfen, Knopflöcher und angenähtem Innenfutter:
 

Original und Reproduktion nebeneinander (bei meinem Nachbau fehlt noch die Patina der Jahrhunderte. Aber durch fleissiges Tragen wird mein Buffcoat bestimmt bald auch dreckig und abgewetzt aussehen):
 

 
2. Im Einsatz:
 
Der erste Einsatz des Kollers in den Schottischen Grenzgebieten vor dem Traquair House aus dem 17. Jhd.:
 

 
Ein Schweizer Söldner in schottischen Diensten unter Alexander Leslie während der «Bishops War» zusammen mit einem schottischen Infanteristen und zwei Trossfrauen (v.l.n.r. Lea, Raubi, Ian, Jude):
 

Und noch einmal zuhause mit dem vollen Equipment in Posen aus Jacob de Gheyn's «Renaissance Drill Book»:
 


 Auf Katzenjagd
 

1.6.11 12:43


Neujahr für Nerds

Wie alle Jahre reaktiviere ich meinen Blog im Januar und schaffe es dann tatsächlich ein, zwei Posts zu verfassen. Und da Sex bekanntlich "sells" und Star Wars Kult ist, verbinde ich doch gleich beides um die Leserschaft wieder auf meinen Blog zu locken. Die männliche mit obengenannten Gründen und die weibliche kann gerne empörte Kommentare dalassen. Apropos Kommentare: da mein Blog vor einigen Monaten mit Spam-Kommentaren zugemüllt worden ist, hatte ich die Kommentarfunktion deaktiviert, doch jetzt ist sie wieder freigeschaltet.

Und jetzt wissen wir, wieso die Imperialen Streitkräfte so stark waren: sie hatten schlicht die bessere Propaganda und knackigeren Slogans als die lahmen Rebellen (siehe unten).

Kein Wunder gingen die Speeder-Bikes auf Endor so ab...

Hoth ist hot!

Tja, Tie-Fighter müsst man sein.

Und um das Nerd-Mass vollzumachen ein weiteres Fundstück aus dem WWW:

«Hot Chicks with Stormtrooper»

Übrigens träume ich schon seit ich 1977 als 4jähriger im Kino Arth die erste Hälfte von Episode 4 gesehehn habe mal eine eigene Sturmtruppen-Rüstung zu besitzen. Vielleicht zu meinem 40.? Dann bin ich so richtig erwachsen...*gg*

10.1.11 21:38


Raubi bloggt fremd

Hallo geschätzte Leser

Ich habe mich einmal mehr an einen Blogeintrag gewagt, doch nicht für mein eigenes kleines Spielzimmer hier, sondern einige Ligen grösser. Ich durfte einen Blogeintrag für die Companie of St. George verfassen. Seit Kurzem ist auf der Homepage der Companie of St. George ein Blog zu finden, in welchem Mitglieder über diverse Reenactement-Themen berichten. Seien es eigene Forschungen, Quelleninterpretationen oder persönliche Erlebnisse mit der Companie of St. George.

Der Blog wurde bisher auf Englisch geführt, doch mein Eintrag ist zweisprachig (auf Deutsch und Englisch) erschienen. Schaut doch mal rein, es lohnt sich! (Nicht nur wegen meinem Eintrag )

Und den findet ihr hier

5.7.10 11:08


Lederarbeiten

Seit Anfang 2010 habe ich mich vermehrt dem Arbeiten mit Leder gewidmet. In Schaffhausen habe ich einen Anbieter für Sattlerzubehör gefunden und mich mit Schusterfaden, Leder-Ale, Punzierstempel und neuen Ledernadeln eingedeckt und gleich ein fröhliches „Learning by doing“ gestartet.

Ich möchte euch hier einen Überblick meiner bisherigen Arbeiten zeigen. Erst einmal zwei Dinge die ich für mich und meine Musketierdarstellung gefertigt habe:

Degengehänge und Degenscheide. Hier habe ich mal das Punzieren ausprobiert und daran Gefallen gefunden wie man unschwer erkennen kann wenn man die Weiteren Arbeiten betrachtet.

Passend dazu die Scheide zu meinem „Main Gauche“, dem Linkshanddolch des Musketiers:

Und irgendwie hat es sich plötzlich herumgesprochen das ich mich mit Lederscheiden auseinandersetze, und ich durfte meine erste Auftragsarbeit entgegennehmen. Dax wollte für zwei Larpwaffen eine Scheide. Da ich bei Latexwaffen nicht mit dem nassen Leder eng auf die Klinge nähen kann, musste ich mir einen Weg überlegen wie ich die Scheiden herstellen kann das sie von der Optik her eng erscheinen, die Latexwaffe gut gezogen werden kann, aber auch nicht herausrutscht. War eine spannende Arbeit. Die beiden Larpdolche sind übrigens sehr schön, ich hätte sie am liebsten selbst behalten.


Den nächsten Auftrag kam von einem Freund der Kunstschmied und Jäger ist. Er hat mir die kaputte Kette meiner Radschlosspistole repariert, und ich habe ihm im Gegenzug eine Scheide für sein Jagdmesser gemacht:

Und den neusten Auftrag habe ich auf dem historischen Handwerkermarkt Wellenberg gefasst. Céline hat mir vor einiger Zeit Nestelbänder für meine SpäMi-Klamotte gemacht. Geld dafür zu verlangen fand sie doof, und ich konnte ihr damals nichts als Gegenleistung anbieten. Lea hat ihr dann erzählt wie ich mich in die Herstellung von Scheiden und Etuis gestürzt habe, und da kam Céline die Idee von mir als Bezahlung für die Nestelbänder ein Etui für das Vorlegemesser zu machen, welches sie und Daniel beim Schmied Manfred Pani bestellt haben. Ich sah in dem Falle von der Punzierung ab und habe versucht Freihandmuster ins nasse Leder zu zeichnen. Ich finde, es ist meine bisher beste Arbeit geworden. Viel Spass habe ich an dem Hunde-Wappen der Zürcher Constaffel. Und wiederum wird es mir schwer fallen mich von Messer und Etui zu trennen und es zurück zu geben. *gg*


13.6.10 21:24


Die Zamonische Zwergspinne

Und hier eine Zeitungsmeldung für alle Zamonienfans da draussen:

 "Luzerner entdeckt neue Käferart im Bündnerland

Auch in der Schweiz gibt es noch neue Tierarten zu entdecken. Das zeigen zwei aktuelle Beispiele: Ein Berner Wissenschaftler hat im Kanton Graubünden eine neue Spinnenart gefunden, ein Luzerner Forscher einen Käfer. Doch Artenkenner werden immer rarer.
Luzern. – Die «Zamonische Zwergspinne» ist von blossem Auge kaum zu erkennen und lebt erst noch unter widrigen Umweltbedingungen: Holger Frick vom Zoologischen Institut der Universität Bern und vom Naturhistorischen Museum Bern entdeckte sie auf der 2000 Meter über Meer gelegenen Alp Flix im Kanton Graubünden unter fünf Zentimetern Schnee.
Die neu entdeckte Art weist einen sehr auffälligen Kopffortsatz auf, der ihr auch ihren Namen einbrachte, wie «Uniaktuell», die Webzeitung der Uni Bern, berichtete: Der Fortsatz ähnelt den Nasen der Zwergpiraten, die der deutsche Zeichner und Autor Walter Moers in seinen Romanen über den fiktiven Kontinent Zamonien erschuf."

Herr Frick scheint gerne Moers zu lesen und hat meine absolute Sympathie. Das nenn ich Kryptozoologie mit Humor.

Euer Stollentroll.

5.5.10 21:24


The Steampunk World's Fair

Ach, es ist Wahnsinn was es alles gibt! Im Zuge unserer momentanen Affinität zum Viktorianischen Zeitalter und der Belle Epoque, stöbern Lea und ich diesbezüglich im längst unüberschaubar geworden weltweiten Netz herum. Dabei haben wir festgestellt, dass ins Amerika eine verdammt grosse Szene diesbezüglich bestehen muss, nur so lässt sich die Masse von Anbietern viktorianischer Kleidung erklären (wobei die Angbote für Männer längst nicht so gross sind wie für das weibliche Geschlecht).

Und diese Szene hat eine weitere Subszene, den Steampunk. Ich mag dieses Steampunk-Zeugs. Leider hat es hier noch nicht so Fuss gefasst, aber es tut sich was. Zum Beispiel hat meine geschätzte Blogkollegin Calla vom Feuerbach letztes Jahr einen Steampunk-Con organisiert der komplett in einem Zug gespielt hat. (Siehe hier http://tunguska.clockworker.de/ ) Es wurmt mich noch immer, dass ich dazu eingeladen war aber leider nicht hinfahren konnte. Doch es beweist, dass sich etwas tut in der deutschsprachigen Steampunk-Szene.

Aber wir sind noch weit von Amerikanischen Verhältnissen entfernt. Dort startet nänlich in zwei Wochen die Steampunk Weltausstellung in Piscataway New Jersey. Ein dreitägiger Monsterevent. Verdammt, was würd ich geben dort teilnehmen zu können...

Leider bleibt uns nur ein mundwässriger Besuch auf der Homepage zu "The Steampunk World's Fair, Piscataway New Jersey -  A three day expedition into yesterdays future"

http://steampunkworldsfair.com/

30.4.10 12:50


Belle Epoque in Kandersteg

Am Sonntag, 29. 1. 2010 hat der Tourismusort Kandersteg zum ersten Mal ein Aktion gestartet die mein Larper-Reenactement-Nostalgie-Geek-Herz einiges höher schlagen lässt: Das ganze Dorf hat sich für eine Woche um 100 Jahre in die Zeit des Belle Epoque zurückversetzt. Und das mit ernormem Aufwand. Viel Arbeit und gegen eine Million Franken hat Kandersteg in diese Aktion für die nächsten drei Jahre gesteckt die eine Lücke im Wintertourismus füllen soll. Und das Irre daran ist, dass das ganze Dorf der findigen Berner Oberländer mitzieht.

Ob Kellnerin, Bahnhofsvorstand, Bäckerin oder Bankdirektor – alle tragen stilvolle, alte Kleider. Die Bäckerei verkauft «Schuhsohlen» – ein Blätterteiggebäck von damals –, im Café «Schweizerhof» trifft man sich jeden Nachmittag zum «Thé dansant». Im nostalgischen Rahmen wird Curling gespielt, Schlittschuh gelaufen, Schlitten gefahren. Wer will, kann sich von einem Skilehrer auch den Telemark-Stil beibringen lassen - auf historischen Skiern notabene!

Unten zwei Bilder die heute am Eröffnungstag gemacht wurden. Links Nachmittagstanz im Café Schweizerhof, rechts drei Damen beim Schach:


(Bilder Urs Flüeler/Keystone)

Und am Ende der Woche, als Höhepunkt, findet der grosse Jahrhundertball im Hotel Victoria Ritter statt. Grosser Tanzball in historischen Kostümen. Ich bin hin und weg von dieser grossartigen Aktion und weiss jetzt schon wo ich die letzte Januarwoche 2011 verbringen werde. Schmacht.

Wer mehr über die Belle Epoque Woche erfahren will klickt hier .

24.1.10 22:31


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